Mittwoch, 25. Januar 2012

Monopoly und die Schuldenkrise




Nicht ein Tag vergeht ohne Berichte von Rating-Herabstufungen, einem neuen Rettungspaket oder von Demonstrationen gegen Sparpläne. Wir leben über unsere Verhältnisse und sollten den Gürtel enger schnallen. Oder?

Ich möchte als Antwort auf diese Frage einen Vergleich heranziehen. Als Kind habe ich Stunden und Tage lang Monopoly gespielt - es gab noch keine Gameboys. Einmal wollte ich wissen, wie sich eine Monopoly-Partie entwickelt, wenn die Mitspieler nicht pleite gehen, sondern beliebig Schulden bei der Bank aufnehmen können. Ergänzend wurde die Beschränkung aufgehoben, nur maximal ein Hotel pro Straße bauen zu dürfen.

Das Ergebnis meines Experiments war, dass eine Person schnell wahnsinnig reich wurde und sämtliche Straßen mit Massen der roten Hotels bebaut waren. Die anderen Mitspieler versanken schon bald in Schulden. Jeder, der Monopoly oder Hotel gespielt hat, kennt das: Irgendwann ist klar, wer gewinnen wird und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis einer der anderen Spieler eine falsche Zahlt würfelt und pleite geht.

Der gleiche Mechanismus wie beim Monopoly-Experiment, lässt sich auch bei der “Schuldenkrise” ausmachen. Einige wenige Personen haben exorbitanten Reichtum angehäuft. Dieser Besitz generiert permanent Einkommen, das irgendwie erwirtschaftet werden muss. Was sind das für Einkommen? Im einfachsten Fall sind dies Zinseinkommen aus verliehenem Geld. Staaten, Kommunen, Unternehmen, Banken und Privatpersonen leihen sich Geld. Dafür bekommt derjenige, der das Geld verleiht, Zinsen. Bei Monopoly ist es ähnlich, wenn man viele Hotels besitzt, dann generieren diese hohe Mieteinnahmen. Die anderen Mitspieler müssen die Miete bezahlen.

Die Grenze der Schuldentragfähigkeit für viele europäische Staaten und die USA ist schon überschritten. Diese Länder können die Zinsen nur bezahlen, in dem sie noch mehr Schulden aufnehmen. Bei Monopoly würde man sagen: “Spiel zu Ende, and the winner is: … “

Bei der Schuldenkrise ist den Gewinnern ihr Sieg aber noch nicht hoch genug. Die Zentralbanken in den USA und in Europa drucken fleißig Geld, sonst wäre der ganze Schuldenberg schon in sich zusammengebrochen.

Bis jetzt hört sich das recht düster an, dabei soll die Grundaussage hier eine ganz andere sein: Wir haben nicht zu wenig Geld. Jedem Euro Schulden steht ein Euro Guthaben gegenüber - bei dem, der das Geld geliehen hat. Jeder Euro an Zinsen, der gezahlt wird, wird von auch von jemandem als Einnahme verbucht. Wir leihen uns das Geld nicht bei der Zukunft. Man kann sich Geld nur in der Gegenwart leihen, von den Leuten, die es haben.

Es handelt sich also um ein Verteilungsproblem: Bei den einen wachsen die Geldvermögen ins Unermessliche, bei anderen die Schulden. Beide heben sich gegenseitig auf.

Wenn ich von  "Super-Reichen" sprechen, meine ich nicht engagierte, verantwortungsvolle Unternehmer, sondern diejenigen, die seid Geburt von ihren Vermögen leben, ohne dabei einen Finger krumm zu machen - die Super-Reichen, die 6 Villen, 4 Yachten, 2 Privatjets und 10 Luxuskarossen “nutzen”. Besonders ärgerlich ist, dass die ganzen schönen Sachen von irgendwem bezahlt - besser gesagt verdient werden - müssen.

Irgendwer, dies sind die Leute, die für ihr Auskommen noch arbeiten müssen. Bei der Staatsverschuldung beispielsweise zahlen wir die Zinsen indirekt über hohe Steuern und Abgaben an den Staat.

Insgesamt gibt es genug Geld, mehr als genug. Wir hatten in Deutschland in den Jahren 1980 bis 2010 ein reales (preisbereinigtes) Wirtschaftswachstum von insgesamt 70%, (siehe destatis-BIP). Wenn man den Reichtumsgewinn seid 1980 gleichmäßig auf alle verteilt hätte, dann hätten jetzt alle 70% mehr zum Ausgeben als vor 30 Jahren. Das würde auch für die Super-Reichen gelten. Die nehmen sich aber so viel von dem Kuchen, dass für die anderen nichts mehr davon überbleibt, und sie sogar noch was von ihrem Bisschen dazu geben müssen.

Natürlich kann es dadurch, dass große Bevölkerungsschichten so weit verarmen, dass sie sowohl als Verbraucher, als auch als Arbeitskraft aus dem Wirtschaftssystem herausfallen, zu einer Schrumpfung der Wirtschaft kommen. So zwingt das dysfunktionale Wirtschaftssystem breite Bevölkerungsgruppen in die Armut. Diese Situation ist schon in einigen Staaten eingetreten, beispielsweise in Griechenland. Ähnlich wie beim Monopoly: Die kleinen Spieler scheiden aus.

Die Milliarden-Berge der Super-Reichen wachsen und wachsen und suchen ständig neue Anlagemöglichkeiten. Deswegen besteht von dieser Seite ein großes Interessen daran, dass die Staaten immer neue Schulden machen. Sonst könnte das Geld nirgendwo mehr angelegt werden und zum Ausgeben ist es einfach viel zu viel. Wenn beim Monopoly schon auf jeder Straße Hotels stehen, dann werden einfach die Regeln geändert und man erlaubt mehrere Hotels auf einer Straße. Ein Staat hebt einfach das Schuldenlimit an. Und wenn die Steuern nicht mehr erhöht werden können, dann fängt der Staat an Geld zu drucken, um die Zinsen bezahlen zu können.

Damit die Bürger auch lieb die ganzen Steuern und Abgaben abdrücken, wird versucht, ihnen ein schlechtes Gewissen und Angst zu machen. Keine Angst, es gibt genug Geld. Kein schlechtes Gewissen, es sind ganz Andere, die auf unsere Kosten leben.

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